Letzte Aktualisierung: München, den 17.04.2003
Mit dieser Rede möchte ich mich mit einem Thema beschäftigen, das bis jetzt in der Antikriegsbewegung stark unterbelichtet worden ist: mit dem Abbau unserer Rechte!
Die Regierenden haben sich zwar gegen eine direkte deutsche Beteiligung am Krieg ausgesprochen. Aber auf der letzten Schülerinnen und Schülerdemonstration in Hamburg wurde klar, dass sie auf den Protest von unten mit Repression reagieren. Dort wurden massiv Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten eingesetzt, um zu verhindern, dass sie sich der amerikanischen Botschaft nähern.
Auch hier in München nehmen die Schikanen gegen die Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner zu, selbst wenn sie noch nicht so brutal durchgesetzt werden wie in Hamburg. Auf der Demo letzten Samstag sperrte die Polizei großräumig das Gebiet um die Staatskanzlei und die amerikanische Botschaft ab. Viele Demonstrantinnen und Demonstranten waren gezwungen statt über den öffentlichen Direktweg über Umwege zum Kundgebungsort zu gelangen. Dort wurde ihnen eröffnet, dass Staatsmänner und Fahnen anderer Staaten nicht beleidigend angegriffen werden dürften. Was Beleidigung ist defniniert die Polizei vor Ort.
Schon bei den Antikriegsprotesten gegen die NATO-Sicherheitskonferenz im Februar diesen Jahres wurde deutlich, dass Demos nur unter schärfsten Auflagen erlaubt sein würden. Obwohl das Grundgesetzt mit Artikel 8, Absatz 1 klar festhält: "Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung und Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln." Während die Proteste im Jahr davor noch durch den von der Stadt verhängten Ausnahmezustand kriminalisiert wurden, konnte dieses Jahr immerhin demonstriert werden. Das Demonstrationsrecht aber wird immer stärker eingeschränkt, denn Personenkontrollen, Verhaftungen oder ellenlange Auflagenbescheide stehen einer Versammlungsfreiheit entgegen. Bei dem Demonstrationsverbot von 2002 in München wurde die Stadt ein ganzes Wochenende lang quasi unter Grungrechtequarantäne gestellt.
Das Klima verschärft sich auch in den Schulen und Betrieben. Nach dem 11. September wurde Kritik mit Drohungen von Entlassungen oder Disziplinarstrafen verboten. In mehren Schulen wurden LehrerInnen vom Schuldienst suspendiert, weil sie z.B. wie ein Lehrer an der Bertha von Suttner Gesamtschule in Siegen sagten: " Wir wollen keinen Krieg! Militärschläge nützen weder den Opfern des Terrors noch sind sie ein geegnetes Mittel zu Verhinderung des Terrorismus." Damit sollte eine kritische Auseinandersetzung mit der Thematik unterbunden werden. Dass sich die Bundesregierung diesmal nicht am Krieg beteiligt und deshalb das Klima anders ist, heisst nicht, dass die Repression zurückgeht. Wenn, wie etwa von Verteidigungsminister Struck angedacht, die Bundeswehr nach Kriegsende in den Irak einmarschieren wird, kann Kritik wieder genauso unterbunden werden wie bei dem Angriff auf Afghanistanl
Neben der Einschränkung der Grundrechte in der BRD selbst sind auch Flüchltinge auf der ganzen Welt betroffen. Bevor der Angriff auf den Irak begonnen hat, wurden schon Pläne gemeinsam mit dem Flüchltingswerk der UN und dem Roten Kreuz entworfen, wie die Menschen am besten wohnohrtnah festgehalten werden können. Nachdem in Deutschland ein Grundrecht auf Asyl praktisch abgeschafft worden ist, erlaubt man Menschen die wegen Krieg aus ihrer Heimat fliehen müssen nicht mehr, in eines der reichen Länder zu fliehen.
Ich fordere deshalb:
Keinerlei Einschräkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit!
Uneingeschränktes Recht auf Asyl!