Tanz der Vampire

 

In der Schlussszene dieses Roman-Polanski-Films tanzen blutsaugende Untote in historischen Kostümen im prunkvollen Ballsaal einen schaurig-komischen Reigen. Als Vampire sind sie nur daran zu erkennen, dass sie im großen Wandspiegel des Ballsaales unsichtbar bleiben.

 

Unsichtbar sind auch die Absichten jener Herren, die sich alljährlich zur NATO-Sicherheitskonferenz im Bayerischen Hof treffen, und nicht ganz unähnlich den Polanski-Figuren. Keine Blutspritzer ihrer Bombenopfer auf ihren gut sitzenden Armani-Anzügen. Über die Mikrofone im Saal keine gellenden Schreie der gequälten Folteropfer in den weltweiten US-Verhörgefängnissen. Kein Wehklagen irakischer oder afghanischer Mütter ist zu hören, die mit bloßen Händen ihre toten Kinder aus den Trümmern ihrer bombardierten Häuser graben. Weiße Kragen statt weißer Phosphor. Dort, wo diese "Experten" für Sicherheit sorgen, sind Leichenberge und Trümmerhaufen das Ergebnis. Der internationale Terrorismus müsse bekämpft werden, es gehe um Sicherheit – sagt man uns.

 

Aber der Terrorismus ist aus der Rippe einer Welt gemacht, die von dieser Bande aus Kriegsverbrechern, Waffendealern und Sicherheitspolitikern verwüstet wurde. Terrorismus ist ihr Produkt. Ob Al Kaida, Taliban oder UCK in Jugoslawien – kaum eine Terrorgruppe, die nicht von den USA gesponsert wurde. Und heute weiß man, dass US-amerikanische, britische und türkische Geheimdienste in Bombenanschläge verwickelt sind, deren Fernsehbilder uns erschrecken sollen. Nachdem uns beigebracht wurde, dass jeder von uns Deutschland ist, sind wir aber doch froh, dass "wir" an diesen schrecklichen Dingen nicht beteiligt sind. Oder? Die alte Bundesregierung ist nach dem Motto verfahren: Wir beteiligen uns nicht am Irakkrieg, aber wir tun alles, dass er stattfinden kann. Deshalb ist die Stadt München auch eine höfliche Gastgeberin für diese kriminelle Vereinigung, hier geht’s schließlich ums Geschäft, auch wenn es das Geschäft mit dem Massenmord ist.

 

Sicher, nicht jeder dieser Herren ist ein Kriegsverbrecher, ein Waffenhändler oder ein Stratege für Aggressionskriege. Auch in einer Einbrecherbande mag es welche geben, die den gemeinen Raubmord ablehnen. Das ändert aber nichts am kriminellen Charakter der Bande.

 

Wenn Sie sich also Anfang Februar wieder über die weiträumigen Polizeiabsperrungen in München ärgern, denken Sie daran: Die haben wirklich allen Grund; die Damen und Herren im Bayerischen Hof haben Polizeischutz wahrlich nötig.

In Polanskis Film scheuen die Vampire das Sonnenlicht, sie agieren nur nachts, weil ein Sonnenstrahl sie vernichten würde. So einfach werden wir diese Herrschaften nicht los. Pfähle, Kreuze und Knoblauch könnten als unerlaubte Bewaffnung polizeilich konfisziert werden. Aber möge die Februarsonne den Weg unserer großen Demonstration ein wenig wärmen.